Internationale Konflikte – Expertenvortrag zu Hybrider Kriegsführung

Im Rahmen des PGW-Kurses von Herrn Snoussi fand im S2-Semesterthema „Internationale Konflikte“ ein spannender Vortrag zur hybriden Kriegsführung statt. Wir erhielten aus erster Hand Einblicke in diese moderne Form der Kriegsführung. Der Vortrag wurde von dem Jugendoffizier Robin Bräuer gehalten. Dieser ist seit 11 Jahren Teil der Bundeswehr und hat Erfahrungen in vielen verschiedenen Gebieten, wie z. B. dem Ausbilden und Anführen von bis zu 120 Soldaten der Luftwaffe. Das Ziel des Vortrags war, uns die hybride Kriegsführung und Taktiken internationaler Konflikte näherzubringen.

Zu Beginn der Präsentation diskutierten wir über die Definition von Krieg und inwiefern sich ein Land in einem Kriegszustand befindet oder nicht. Hierbei ist es schwer, eine klare Linie zu ziehen. Ab wann herrscht Krieg? Sobald Truppen ins Land einmarschieren, oder gibt es auch andere Formen der Kriegsführung?

Um uns eine alternative Form der Kriegsführung näherzubringen, sprachen wir über die hybride Kriegsführung.

Hybride Kriegsführung ist ein Zusammenspiel mehrerer Vorfälle, die einzeln betrachtet harmlos erscheinen, aber in ihrer Gesamtheit als gezielter Angriff gesehen werden können. Oft ist es schwierig, eine direkte Verbindung zwischen verschiedenen Vorfällen herzustellen. Zur hybriden Kriegsführung gehören verschiedene Mittel wie Sanktionen, Cyberattacken, die Unterstützung nationaler Unruhen und Propaganda, um den Gegner zu destabilisieren. Länder, die Opfer solcher Angriffe sind, werden dadurch getestet, wie schnell und effektiv sie auf Bedrohungen reagieren können.

Robin Bräuer betonte dabei, dass es keine guten und keine bösen gibt – nur Akteure. Zudem berichtete er, dass einmal pro Woche ein russischer Kampfjet in den deutschen Luftraum eindringt, um zu testen, wie schnell Deutschland reagiert und ob sich Waffensysteme an deutschen Flugzeugen verändert haben. Die 30-minütige wöchentliche Abfangaktion kostet den Steuerzahler rund eine Million Euro.

Ein weiteres Beispiel für hybride Angriffe sind Cyberattacken auf kritische Infrastruktur. Robin Bräuer erzählte, dass es bereits gezielte Angriffe auf Windräder gegeben hat, wodurch es drei Monate lang erhebliche Probleme gab. Er unterstrich, dass es jetzt umso wichtiger ist, das Sondervermögen für Cybersicherheit zu investieren, um solchen Bedrohungen besser begegnen zu können.

Angesichts der Situation in Osteuropa spielt hybride Kriegsführung eine größere Rolle als zuvor. Daher lag der Fokus vor allem auf Russlands hybrider Kriegsführung gegen die Ukraine sowie EU- und NATO-Staaten wie Polen und Deutschland. Für die zivile Bevölkerung sind viele dieser Angriffe kaum wahrnehmbar, da sie oft subtil und über längere Zeiträume erfolgen. Allerdings ist die Bevölkerung vor allem im digitalen Raum betroffen. Fake News und Propaganda werden häufig eingesetzt, um gesellschaftliche Spaltungen zu vertiefen und Meinungen zu beeinflussen.

Im Zuge dessen – und weil insbesondere junge Menschen, wie die Schüler des GOAs, sich täglich in digitalen Räumen bewegen – haben wir einen Online-Test absolviert. Dieser bewertete auf einer Skala von 1 bis 30, wie widerstandsfähig man gegenüber Fake News ist, wie schnell man sich beeinflussen lässt und wie gut man Desinformation erkennen kann. Der Test zeigte, dass das Bewusstsein für Falschinformationen bei den Schülern sehr unterschiedlich ausgeprägt ist.

Der Vortrag war spannend gestaltet, und der ganze Kurs konnte sich an Diskussionen und Fragen beteiligen. Das Interesse an der hybriden Kriegsführung am Fallbeispiel Russland war groß, und es war sehr hilfreich, diese Einblicke zu erhalten. Der gesamte Kurs war begeistert von der Art und Weise des Präsentierens durch Robin Bräuer.

Juliane Schmidt-Busse, S2